Wie wir vom Tod lernen können, lebendig zu leben

Meine Blog-Reihe bei „Lebendig Lang Leben“ beginne ich - paradoxerweise - vom Ende her, beim Thema Tod. 

Ich möchte Ihnen ein beeindruckendes Buch von Frank Ostaseski vorstellen:

„Die fünf Einladungen: Was wir vom Tod lernen können, um erfüllt zu leben“

Der Autor ist ein international bekannter buddhistischer Lehrer und Mitbegründer des Zen-Hospizprojekts in den USA. Er hat seit Jahrzehnten Tausende von Menschen in den Tod begleitet, hat dabei sehr viel gesehen, erfahren und gelernt. Davon berichtet er sehr anschaulich und berührend. In seiner eigenen Jugend gab es schwere Missbrauchserfahrungen, zudem war er in den letzten Jahren selbst mehrfach schlimm erkrankt. Auch diese Erlebnisse haben ihn geprägt und eine demütige Einstellung dem Leben als auch dem Tod gegenüber reifen lassen. 

Ostaseski erinnert uns daran, dass der Tod ein ständiger Begleiter in unserem Leben ist, er ist gegenwärtig in jedem Moment. Es gibt das Leben nicht ohne den Tod. Jeder muss sterben und der Zeitpunkt bleibt ungewiss. Deshalb lohnt es sich immer, gerade JETZT zu leben.

Frank Ostaseski beschreibt, wie uns der Tod zum Lehrer für ein erfülltes, intensives Leben werden kann. Um sich das Leben und dessen Kostbarkeit stärker bewusst zu machen, hat der Autor für uns fünf lohnenswerte Anleitungen entwickelt, die er Einladungen nennt und als Übungen versteht (dazu gibt es dann jeweils ein Kapitel im Buch):

1.Warte nicht (Don’t wait)

Anstatt unsere Hoffnungen auf eine bessere Zukunft zu richten, konzentrieren wir uns auf die Gegenwart. Wir sind dankbar für das, was wir gerade jetzt erleben dürfen. Wir sagen öfter „Ich mag Dich“, weil wir die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen wertschätzen lernen. Wir werden freundlicher, mitfühlender und können besser vergeben. „Warte nicht“ ist der Weg zu mehr Erfüllung und verhindert, dass wir später bereuen. Vergebung fühle sich so an, als ob man eine heiße Kohle, die wir in der Hand getragen haben, endlich ablegen können. 

Worauf warten Sie im Leben? Was wollten Sie schon seit langem jemanden mitteilen? Was hat Sie in Ihrem Leben bisher an Vergebung gehindert?

2. Heiße alles willkommen, wehre nichts ab (Welcome Everything. Push Away Nothing)

Alles willkommen zu heißen bedeutet nicht, das wir das, was kommt, mögen müssen. Wir können jedoch vorurteilsfrei beobachten, ohne sofort alles zu be- oder zu verurteilen. Wir können offen und empfänglich für neue Erfahrungen sein. Dann haben wir mehr Optionen. Wir können entdecken, erforschen und lernen, wie wir geübter auf alles neue reagieren.

Ostaseski hat beobachtet, dass für Menschen kurz vor dem Tod nur zwei Fragen von Bedeutung sind: „Werde ich geliebt?“ und „Habe ich gut geliebt?“.

Wie schaut es mit Ihrer Toleranz für Unbekanntes aus? Neigen Sie zum Be- oder Verurteilen? Wie würden Sie aus heutiger Sicht auf die beiden Fragen „Werde ich geliebt?“ und „Habe ich gut geliebt?“ antworten?

3. Gib dich ganz in die Erfahrung (Bring Your Whole Self to the Experience)

Wir alle wollen einen guten Eindruck machen. Wir möchten kompetent, stark, intelligent, sensitiv, spirituell oder zumindest angepasst erscheinen. Die wenigsten von uns wollen für ihre Hilflosigkeit, Angst, Ärger, Ignoranz anerkannt werden. Um jedoch ganz (whole) zu sein, müssen wir alle Teile von uns akzeptieren und verbinden. Ganzheit bedeutet nicht, perfekt zu sein, jedoch keinen Anteil auszulassen. Es geht auch um die Über-Identifikation mit bestimmten Rollen, die wir im Leben einnehmen (z.B. als Reaktion auf bestimmte Verhältnisse in unserer Kindheit), die uns jedoch in unserer Ganzheit einschränken und in der eigenen Weiter-Entwicklung behindern. 

Gibt es Rollen, die Sie immer wieder übernehmen, und das möchten Sie nicht mehr? Wie gehen Sie mit Ihrem inneren Kritiker um? Gibt es Momente, in denen Sie Ihre Verletzbarkeit zeigen können?

4. Finde mitten im Chaos einen Ort der Ruhe (Find a Place of Rest in the Middle of Things)

Wir denken oft, die Erholung darf erst dann kommen, wenn alles andere in unserem Leben fertig ist: am Ende des Tages, wenn wir dann Urlaub haben oder wir mit allen unseren To-Do-Listen fertig sind. Nach ständiger Beschäftigung und Multitasking kann man süchtig werden! Wir nehmen an, wir könnten uns nur dann entspannen, wenn sich unsere Umstände ändern. Der Erholungsort ist jedoch immer in uns selbst zu finden! Es ist eine Wahl, die wir treffen, bewusst zu sein und die Aufmerksamkeit in den Moment zu lenken.

Kennen Sie Methoden, um während des Tages auch zwischendurch mal zu entspannen? Hatten Sie schon mal einen Moment der Ruhe inmitten von Chaos? Wie regenerieren Sie sich und Ihr Mitgefühl für andere?

5. Kultiviere den Weiß-Nicht-Geist (Cultivate Don’t Know Mind)

Das klingt erstmal verwirrend! Warum sollten wir ignorant sein? Beim „Weiß-Nicht-Geist“ geht es jedoch um Neugier, Überraschung und Wunder. Diese Einstellung ist empfänglich, offen, bereit, allem zu begegnen, das da so kommt. Es ist eine Einladung, das Leben mit frischen Augen zu betrachten, unseren Geist zu leeren und unsere Herzen zu öffnen. 

Wie haben Sie zuletzt auf eine Überraschung reagiert? Waren Sie flexibel oder eher nicht? Haben Sie Angst, die Kontrolle über Dinge zu verlieren? Können Sie es ertragen, wenn mal etwas nicht so ganz klar oder erklärbar ist?

Ich hoffe, ich konnte Sie auf das Buch mit seinen fünf Einladungen neugierig machen. Und auch, wenn Sie das Buch nicht lesen werden, so lohnt es, einmal innezuhalten und zu spüren, dass wir lebendig und dafür dankbar sind! Einatmung - Ausatmung - Einatmung - Ausatmung - Einatmung - bis zum letzten Mal Ausatmung.

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P.S. 

Wer Frank Ostaseski in einem Video (auf Englisch) erleben möchte, kann hier sehen, wie er, noch sichtlich von einem Schlaganfall gezeichnet, über seine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Krankheit als Weg zur Erkenntnis (discovery) berichtet:

Ich bedanke mich für die Anregung zur Lektüre dieses Buches bei meinem internationalen virtuellen Buchklub - Thank you so much to my IFM-Tribe!